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Wenn Du etwas das erste Mal machst, machst du es oft zweimal...

Es war von Anfang an klar, dass die U-47, wie von Robbe vorgesehen, nicht gebaut werden sollte. Zum einen ist ihr Fahrgewässer (mein Schwimmteich) zum dynamischen Tauchen etwas zu klein, darüber hinaus sehen die dynamischen Tauchvorgänge wenig elegant aus, wie auch auf YouTube immer wieder zu sehen: "Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh". Auch die dafür notwendige Geschwindigkeit kommt dem originalen Fahrbild wenig entgegen. Und dann natürlich das Fahren auf Sehrohrtiefe, eigentlich nur machbar mit einem Statiker.

Mit Statiker war der erste Punkt klar, aber was ist dabei zu beachten? Eine ganze Menge!

Die Faltenbälge von Robbe eignen sich nicht für einen Statiker, die Stevenrohre auch nicht unbedingt. Bei der Verwendung eines Tauchtanks (erschien mir sinnvoller als ein Tauchsack, auch vom Platzbedarf) wird Wasser von außerhalb des Druckkörpers nach innen in den Tank gesogen, der Kolben erhöht beim herausfahren aus dem Tank den Druck im Boot. Das müssen die Verschlüsse abkönnen. Zudem ist das Technikgerüst von Robbe, das eingeschoben mit dem Bug über eine Hülse und eine Inbusschraube verschraubt wird, nicht gerade als stabil und haltbar bekannt. Ein Technikgerüst aus Stahl und Alu kann das viel besser, vor allem in Verbindung mit einem Bajonetverschluss.

Damit standen die ersten Komponenten fest:

- Tauchtank

- Bajo

- Alu-Technikgerüst

- Stopfbuchsen für die Rudergestänge

- Simmerringe als Wellendichtungen

Nach einigem hin und her habe ich die Teile von Piranha Modellbau bezogen, Thomas Kuch war mit seinen Aussagen sehr kompetent. Ohne Bajo und Technikgerüst war an ein Anfangen nicht zu denken, fast zeitgleich mit dem Zubehör traf auch meine U-47 wenige Tage vor Heilig Abend 2009 ein. Weihnachten war gerettet! Jedenfalls sollte ein Utensil in den nächsten Wochen und Monaten mein ständiger Begleiter werden: Der Staubsauger. Zerspanungstechnik?? Weit gefehlt. Zerstaubung ist angemessen!

 

Joghurtbecher, nein danke!

RC-Modelle sollen auch aus der Nähe etwas her machen, das zeigen gerade die Boote von Engel. Im Netz finden sich auch einige Seiten die zeigen, wie die Erbauer ihre U-47 Boote aufgewertet haben. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und der wird um ein vielfaches leichter, weil es Dream-Arts gibt!

Deshalb war für mich ganz klar, Deck und Flutschlitze von vorne herein durch Dream-Arts Teile zu ersetzen. Der Unterschied zu den Robbe-Teilen ist gewaltig.

Und schon gab´s wieder ein Problem: Das Dream-Arts Deck ist ein Stück breiter und länger als das von Robbe (soll wohl auch bei 1 : 35 noch passen). Von der Breite etwas weg zu nehmen geht nicht, es würde das Deck verschandeln. Also musste der Rumpf breiter werden. Dazu habe ich die Spanten mit 2 - 3 Streifen auf jeder Seite unterfüttert und mir auch neue Positionen für die Spanten gesucht. Ich wollte vermeiden, dass diese in einer Rumpföffnung zu sehen sind. Obendrein habe ich die Kanten der Spanten angefast, damit sie von der Seite keine sichtbare Oberfläche bilden.

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Wegen der Länge des Decks galt es wieder zu improvisieren. Die Trennstelle des Decks im hinteren Deckelbereich ist mit einer "Nase" versehen, diese steht aber der Drehbewegung des Bajo im Wege. Deshalb habe ich mir eine neue Trennstelle etwa 1,5 cm weiter vorne gesucht, wo ich einen geraden Schnitt machen konnte. Das überstehende Stück vom einen Deck getrennt und mit dem anderen wieder verklebt. Damit stand auch die Position der Decksteile nach hinten und vorne fest. Von den Resinteilen des Decks ganz hinten und vorne musste ich ein paar Zentimeter opfern, aber trotzdem: so haut´s hin.

Neben allen Überlegungen habe ich an unkritischen Stellen weiter gebaut, etwa der unteren Ruderstütze. In die ausgeschnittenen Seitenteile von Rumpfmitte und Heck hatte ich schon mal die Flutschlitzmasken eingeklebt, grob verspachtelt und verschliffen. Nach dem Zusammenkleben der Seitenteile der Rumpfmitte und dem Einsetzen des Druckrohres sowie der Einzelanfertigung der Spanten war schon zu sehen, dass die ABS-Tiefziehteile nicht gerade gut in Form waren. Die Höhe der Deckskanten hängte mal nach Steuerbord, 20 cm weiter wieder nach Backbord und glich auch der Länge nach eher schwerem Seegang. Bei einer Materialstärke von 1 mm ist nicht viel mit wegschleifen, also auf der anderen Seite mit Stabilit und Spachtel aufdoppeln. Und schleifen, schleifen, schleifen. Gleiches galt auch für den Kiel. Und noch eines war passiert: Druckkörper samt Bajo lagen 1 mm zu tief im Rumpf, der Kiel klemmte. Also auch hier wieder feilen.

Dann kam das Heck an die Reihe. Die Boote hatten im Kielbereich neben den Wellenböcken jede Menge Flutschlitze, ich aber keine Fotos davon. Also kam "frei Schnauze" mit etwas Inspiration zum Einsatz, das Resultat ist jetzt ein Heck mit vielen Flutschlitzen, auch an den Ruderböcken. Und natürlich dem obligaten Hecktorpedorohr, gemacht aus 15 mm Elektro-Leerohr aus dem Baumarkt.

Nächstes Problem: Das Heck von Robbe sieht eher aus wie der Allerwerteste eines Brauereigaules. Konnte so nicht bleiben, schön spitz und scharfkantig musste es werden. Zum Glück hilft bei ABS die thermische Verformung sehr gut weiter, auf gut Deutsch: der Lötkolben. Vorsichtig gedrückt und gezogen lässt sich das Material in die gewünschte Form bringen und anschliessend verspachteln und verschleifen.

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Es geht um jeden Millimeter...

Danach folgte die Anpassung des Hecks an das Mittelteil, gerade die Trennstelle der Rumpfteile war mir wichtig. Da geht es um Genauigkeit und jeden zehntel-Millimeter um einen möglichst unsichtbaren Spalt zu erhalten. Und ich hatte das nächste Problem: Die Schlitzmasken passten so überhaupt nicht zueinander!

Der Fehler liegt im einkleben der Masken vorab. Da weiss noch niemand, wie´s hinterher raus geht. Also Brechstange her und wieder raus mit den Teilen, genaue Abstände an der Trennstelle gefeilt und wieder eingeklebt.

Die Schnur zum Ausrichten der Teile zeigte wieder mal Banane, unter zu Hilfenahme der Decksteile konnte ich einen Kompromiss zwischen links und rechts finden. Nach dem Anpassen der Wellen und Wellenböcke konnte die Hecksektion mit dem hinteren Deckel verklebt werden.

Die Bughälften hatte ich zwischenzeitlich schon mal frei gelegt. Die Schlitzmasken mit den originalen Mündungsklappen brachten mich spätestens dazu, über eine funktionierende Primärwaffe nachzudenken. Dazu galt es mehrere Probleme zu lösen: Die Mündungsklappen, deren Betätigung, die dafür notwendigen Servos, den Torpedo und dessen Abschussvorrichtung.

Die Mündungsklappen waren im Prinzip durch Dream-Arts vorgegeben. Damit die komplette Maske in den Bug passt, habe ich wieder zum Lötkolben gegriffen und den Bereich entsprechend umgeformt.

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Nichts als Nieten!

Nach dem Verkleben der Rumpfteile ging´s ans Spachteln und Grundieren. Danach kamen zuerst die Schweissnähte an die Reihe. Von Evergreen gibt es Polsystrolstreifen in allen möglichen Abmessungen, die dünnen davon mit 0,2 bzw. 0,4 mm Dicke und 0,5 mm bzw. 2,5 mm Breite schienen mir geeignet und brauchten nur aufgeklebt werden. Die Anordnung habe ich mir bei Revellbooten abgeguckt. Gleiches gilt auch für die Nieten, die ich aus Weissleim und einem Stück Draht hergestellt habe. Gut 1/3 davon habe ich auch schnell wieder entfernt, schliesslich sollten die Nieten die gleichen Abstände und Größen haben. Ein Durchmesser von 0,8, entspricht 3 cm im Original, ist also ok. Mit einer Woche ging´s gefühlt relativ flott.

Das Gruppenhorchgerät habe ich aus kleinen Kunststoffringen aus dem Optikerbedarf bogenförmig um die vorderen Tiefenruder aufgeklebt. Die Auslassöffnungen in halber Rumpfhöhe hinter den Tiefenrudern habe ich aus Abfall-ABS geformt, für das Unterwassertelefon kam wieder die thermische Verformung zum Einsatz. Die Telefone selbst sind aufgeklebte, dünne Kreisscheiben.

Danach habe ich den Rumpf mit RAL 7036, also der Schiffsbodenfarbe, lackiert. Die Decksteile hatte schon vorher angepasst, bei der Gelegenheit habe ich sie von unten gleich mit lackiert. Das Lackieren des Innenlebens des Bootes ist für mich Pflicht, es sieht kaum etwas dämlicher aus als ein dunkelgrau lackiertes Boot, bei dem das Weiss des Innenlebens durchscheint. Die mittleren Decks sind mit dem Rumpf verklebt, die beiden hinteren und vorderen sind abnehmbar. Befestigt werden sie über Zapfen und 2 mm Senkkopfschrauben, die im Deck so gut wie nicht auffallen. Ankerspill und Netzsäge tun ihr übriges dazu.

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Als Scharniere für die Decksklappen habe ich Drahtstifte eingeklebt, natürlich darf auch der Kranz um die 8,8 nicht fehlen. Der Ankerspill war mir auch zu dürftig, mit ABS-Abfall habe ich ihn etwas realitätsnäher gemacht. Das Unterwasserhorchgerät habe ich nach Bildern nachgebaut, ein Gussast für den Fuss, eine Platine für die Horchgeräte und wiederum ABS für das Gehäuse kamen zur Verwendung. Das Gestänge zur Übernahme der Torpedos auf Deck ist aus Messingdraht, es wird einfach in die aufgeklebten Aufnahmen aus ABS gesteckt. Die Netzsäge habe ich erleichtert so gut es ging, für ein ABS-Teil geht es nicht mehr schlanker. Und die Messing-Säge von Dream-Arts gibt´s nicht mehr. Die 8,8 hat auch einen ordentlichen Sockel samt Verschluss für das Rohr nebst Halteseil und Aufnahme. Vielleicht wird sie noch durch ein Exemplar von Accurate Armour ersetzt werden.

 

Turmbau zu Babel.

Den Originalturm zu verwenden geht natürlich so nicht, der von Dream-Arts sollte es schon sein. Die Überlegung dabei war, dass ich den Robbe Turm zwar auch selbst ein gutes Stück optimieren könnte, die Präzision und Detailierung von Dream-Arts aber nur schwer und mit viel Mühe erreichen würde - wenn überhaupt. Und Geld verdienen sollte ich ja auch noch so nebenbei. 86,- Euro für den Turm erscheinen im Verhältnis zum Aufwand nicht viel. Dachte ich und hatte das nächste Problem: die Serie war ausgelaufen, seit Weihnachten ein neuer Turm in Vorbereitung, der brauchte aber noch. Ok, es gab ja noch genügend andere Dinge zu tun, irgendwann war die Zeit für den Turm aber reif - also doch Plan B und Robbe-Turm? In diesem Moment kam die Nachricht von Andreas Ehrlich, es könne demnächst soweit mit dem neuen Turm sein, also her damit. Ist zwar deutlich teurer geworden, aber Schönheit hat immer ihren Preis. Irgendwann rief mich Andreas Ehrlich dann abends an und berichtete mir vom Unglück. Beim Guss hatte ein Arbeiter die Form fallen lassen und so lala mal schnell mit Sekundenkleber wieder gepappt. Und dabei das ganze Teil ruiniert. Mit Bordmitteln konnte eine weitere Form in Form gebracht werden und die Nullserie daraus gegossen werden. Einer davon kam ein paar Tage später zu mir.

Am Bausatz und der Doku ist noch nicht alles perfekt, aber als Versuchskarnickel ging es mir nicht schlecht. Mit ein paar Änderungen im Ablauf, erst Decksteile in den Rahmen kleben, dann Turmoberteil darauf setzen, verspachteln und verschleifen und danach erst das Unterteil ansetzen macht die Arbeit doch leichter. Das biegen und Ausrichten der Reeling des Wintergartens ist fummelig, aber mit etwas Geduld wird´s auch was. Befestigt habe ich den Turm mit einem Haken am hinteren Ende, diesen habe ich aus einem Giessast geformt. Vorne habe ich das gleiche Stück wieder aus ABS angebaut. Gehalten wird der Turm über eine Verschraubung mit dem Sehrohr. In jedem Fall ist der Turm ein gewaltiger Gewinn für das Boot.

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Nur nicht runterfallen.

Die Deckreelings habe ich dem Original nachempfunden, hier gab es wohl so viele Varianten wie Boote. Die Stützen habe ich durchbohrt, Ösen für die Spannseile aufgesetzt. Die Antennenbeine entsprechen der Vorgabe von Robbe.

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Ich funk´Dir was.

Die Langantennen habe ich aus Nylonschnur mit 0,65 mm Durchmesser und Blöcken von Graupner gemacht. Nur ein paar Kugeln auffädeln war nicht in meinem Sinn. Das Y-Stück der vorderen Antennen ist wieder aus ABS und entspricht grob dem Original. Genauso habe ich bei den Isolatoren an die tatsächliche Anzahl gehalten, grössere Spanner hätten noch dazwischen gehört. Na, ja, vielleicht an einem kalten Winterabend... Gespannt werden die hinteren Antennen über 2 Federn unter Deck.

 

 

 

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